Uncharted Memories #1 - Die Ruhe nach dem Sturm
Geschrieben von: SpeechBubble   
Donnerstag, den 02. Mai 2013 um 20:02 Uhr
Es ist Donnerstag. Und für uns bei UnchartedGame.de ist es nicht nur ein weiterer Donnerstag in der Geschichte der Donnerstage, nein. Heute starten wir etwas ganz Neues, etwas ganz Persönliches: Heute starten wir die Reihe Uncharted Memories - eine Gelegenheit, sich zu erinnern.

Ich (SpeechBubble) werde heute den ersten Schritt machen und von einer der schönsten Zwischensequenzen schwärmen, in deren Genuss ich kommen durfte. Doch bevor es losgeht, möchte ich noch ein paar Hinweise geben:

Die Uncharted Memories beruhen auf Ereignissen der Uncharted-Spiele. Daher gebe ich an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung raus. Wer die Reihe noch nicht gespielt hat, das aber noch nachholen möchte, sollte für den Moment erst mal umkehren - und gerne später wiederkommen.

Außerdem sei vorweg noch erwähnt, dass wir hier nichts als "allgemeingültig" verkaufen wollen, sondern lediglich unsere persönlichen Erlebnisse, Meinungen und Ansichten wiedergeben.

Nun aber genug davon, jetzt geht's endlich ans Eingemachte. Wir wünschen viel Spaß mit der ersten Episode von Uncharted Memories.

Uncharted Memories #1 - Die Ruhe nach dem Sturm

Wer UnchartedGame.de oder meine Beiträge in unserem Forum schon länger kennt, dem wird kaum entgangen sein, dass ich nicht nur ein großer Fan von Elena Fisher bin, sondern auch eine Vorliebe für ruhige Momente habe. So wird es vermutlich kaum jemanden verwundern, dass gleich beides eine große Rolle im ersten Ausflug in die Vergangenheit spielt.

Kurz nach der Veröffentlichung von Uncharted 3: Drake's Deception hieß es in einem der unzähligen Reviews in den Weiten des Internets, dass auf die lautesten Szenen des Spiels stets die ruhigsten folgen, genauso wie vorher schon im zweiten Teil. Ihr erinnert euch noch an das Gebäude in Nepal, das nach dem Helikopter-Angriff komplett in sich zusammenfällt? Alles bröckelt, kracht und knallt, die Musik verstärkt die Action noch mehr. Dann springen Nate und Chloe in ein anderes Gebäude, um zu entkommen, und alles, was wir dann noch hören, ist das Ticken einer Kuckucksuhr. Dieser Augenblick ist das perfekte Musterbeispiel für diese Theorie, doch es ist nicht der Augenblick, über den ich heute sprechen möchte. Denn der kommt erst viel später, nämlich kurz vor dem letzten Drittel von Uncharted 3.

Also, wo sind wir? Vermutlich einige Kilometer vor der Küste Jemens, auf einem gekaperten Kreuzfahrtschiff. Na gut, nicht ganz. Denn genau das ist gerade hinter uns explodiert und gekentert und unser Lieblingsglücksritter ist nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Er klammert sich verzweifelt an ein treibendes Stück Holz. Es ist stockdunkel, die Wellen peitschen ihm ins Gesicht und es blitzt und donnert.

So unbedeutend das komplette Kapitel mit dem Schiffsfriedhof und dem Kreuzfahrtschiff für die Handlung auch gewesen sein mag, so wichtig waren die Erlebnisse doch, um Nathan Drake als Charakter einen ordentlichen Stoß in Richtung Menschlichkeit zu verpassen. Kennen gelernt haben wir den Schatzsucher als unerschütterlichen Strahlemann, der es sich auch nach dem hundertsten virtuellen Toten nicht nehmen ließ, einen lockeren Spruch abzugeben. Gegen Ende des ersten Teils und über den gesamten zweiten Teil hinweg wurde schon deutlich, dass hinter dieser harten Schale ein recht weicher Kern steckt. Doch die folgende Szene, das Wiedersehen mit Elena Fisher in ihrem Apartment im Jemen - die ist es, die Drake vom Einheitsbrei der "starken Männer" in Videospielen endgültig abhebt.



Dieser kleine Ausschnitt war bereits in dem Trailer "Drake's Fear" zu sehen.
Schon damals waren diese Bilder Gänsehautmaterial.


Zunächst sehen wir Elena, wie sie alleine in ihrem Apartment telefoniert. Nate war bereits seit mindestens einem Tag verschwunden und Katherine Marlowes Karawane, die Sully als Geisel und unfreiwillige Navigationshilfe benutzte, hatte mindestens zwei Tage Vorsprung. Elena muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Zumindest dachte sie das. Plötzlich steht Nate in der Tür. Elena traut ihren Augen nicht, legt sprachlos ihr Handy weg und fällt in Drakes Arme, dem auch in diesem Moment wieder ein kurzer, amüsanter Spruch über die Lippen fährt ("I thought this was frowned upon", in Anspielung darauf, dass Umarmungen im Jemen nicht gerne gesehen seien). "I really thought you were gone this time", beichtet Elena dem sichtlich erschöpften Nathan kurz darauf und zieht ihn auf ihr Sofa. Ganz wie wir Nate kennen, denkt er nur daran weiterzumachen, die Karawane einzuholen und Sully zu befreien. Doch Elena kann ihn umstimmen. Was dann folgt, sind lediglich einige wenige Worte, aber doch einer der besten Dialoge, die die Reihe insgesamt zu bieten hat. Hier einmal wortwörtlich, die großartige Leistung von Nolan North und Emily Rose müsst ihr euch für den Moment einfach vorstellen (die gesamte Zwischensequenz gibt es am Ende des Artikels).

Nate: "You were really gonna do this all on your own, huh?"

Elena: "For Sully - yeah."

Nate: "I like the way you think."

Elena: "I know."

Nate: "No. I mean that's..."

Elena: "I know what you mean."

Obwohl hier nichts wirklich direkt ausgesprochen wird, so wissen auch wir als Spieler ganz genau, wovon Nate spricht. Und er meint damit natürlich weit, weit mehr als bloß ihren Willen, Sully zu retten. Wenig später greift er nach Elenas Hand und lässt den Kopf zurück in ihren Schoß fallen.

Nate: "I'm sorry."

Elena: "I know."



So sieht man Drake sonst nie. Das macht diese Szene noch bedeutender.

Es ist der Moment, in dem Drake all seinen Stolz, sein manchmal etwas zu großes Ego, seine schlauen Sprüche und seine harte Schale (nicht falsch verstehen, das sind alles Eigenschaften, die ich so an ihm mag) überkommt und hinter sich lässt, um diese Worte ("I'm sorry.") auszusprechen. Nach allem, was er getan und durchgemacht hat, nach all den gutgemeinten Belehrungen von Elena, er solle das Atlantis der Wüste ruhen lassen, er habe Marlowe besiegt, nach all den Opfern, die diese Reise bis zu dem Punkt bereits forderte - nach all dem macht es bei Drake Klick. Es ist der Moment, in dem er sich für die Fehler, die er begangen hatte, entschuldigt. Und es ist der Moment, in dem ihm endlich klar wird: Er muss niemandem etwas beweisen. Und tatsächlich ist genau das, "etwas beweisen zu müssen", einer der Dreh- und Angelpunkte der gesamten Handlung.

Es wurde oft kritisiert, anfänglich auch von mir, dass Uncharted 3 viel zu wenig Fokus auf das Ziel, den Schatz, legt. Er ist eben einfach da, aber niemals galt der verlorenen Stadt dieselbe Aufmerksamkeit wie El Dorado und Shambhala in den ersten zwei Spielen. Erst mit etwas Abstand habe ich erkannt, dass das nichts Schlechtes ist. Dieser dritte Teil ist Nathans ganz persönliche Reise. Er muss etwas beweisen, vielleicht, weil er es will, vielleicht, weil er denkt, dass er es muss. Vielleicht der Welt, vielleicht seinen Freunden, vielleicht sich selbst.

In dieser Hinsicht würde ich sogar so weit gehen und sagen, Uncharted 3 ist Nathans Weg, erwachsen zu werden und sich von der Vergangenheit loszusagen. Und genau dafür legt er in diesem Gespräch mit Elena den Grundstein. Von diesem Punkt an geht es nicht mehr um den Wettstreit gegen Marlowe. Es geht nicht mehr um das Atlantis der Wüste. Es geht einzig und allein darum, einen der wichtigsten Menschen in seinem Leben zu retten.

Elena streicht sich durch's Haar, schließt die Augen und ein Schnitt führt uns zur Einleitung am Flughafen. Und an dieser Stelle endet der Teil, auf den ich heute eingehen will, dieser insgesamt dreiteiligen Zwischensequenz.

Tatsache ist: Es ist dieses Gespräch zwischen Nate und Elena, das im Hinblick auf die gesamte Reihe die Szene darstellt, die mir mit Abstand am stärksten im Kopf hängen geblieben ist. Es ist auch gleichzeitig die Szene, die den Ausschlag dafür gegeben hat, die Uncharted Memories ins Leben zu rufen. Und obwohl ich diese Serie nun alles andere als chronologisch begonnen habe, so fühlt es sich vor diesem Hintergrund doch genau richtig an, mit eben dieser Szene zu starten.

Zum Abschluss gibt es nun noch, wie versprochen, die Zwischensequenz in ihrer Gesamtheit.

                  

Ich hoffe, euch hat dieser erste Ausflug in die Vergangenheit gefallen. Wenn ihr Anmerkungen habt oder selbst in Erinnerungen schwelgen wollt, dann ab in die Kommentare oder direkt ins Forum.

Und nicht vergessen: Uncharted Memories kehrt am 16.05.2013 zurück, wenn auch Gruumsh sich erstmalig nostalgischen Gefühlen hingeben wird.

 
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