Uncharted Memories #2 - Die Geburt des Cruumshing
Geschrieben von: Gruumsh   
Donnerstag, den 16. Mai 2013 um 23:19 Uhr
memories2_rotEndlich ist es wieder Donnerstag! Und zwar nicht irgendeiner, sondern unser Donnerstag. Was das bedeutet? Die zweite Ausgabe der Reihe Uncharted Memories, bei der wir uns alle zwei Wochen donnerstags die Nostalgiebrille aufsetzen und uns an unsere liebsten Momente erinnern. Wobei man diesmal eher von einer Hassliebe sprechen kann.

Nachdem mein werter Kollege SpeechBubble vor zwei Wochen bereits den ersten Schritt machte und von einer Zwischensequenz aus dem dritten Serienteil schwärmte, werde ich (Gruumsh) nunmehr den zweiten Schritt der Reise durch die unergründlichen Weiten unserer Erinnerungen an fast sechs Jahre Uncharted tätigen. Falls ihr sie vergessen haben solltet, möchte ich euch nochmal folgende Hinweise aus dem Vorspann der ersten Episode mit auf den Weg geben:

Die Uncharted Memories beruhen auf Ereignissen der Uncharted-Spiele. Daher gebe ich an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung raus. Wer die Reihe noch nicht gespielt hat, das aber noch nachholen möchte, sollte für den Moment erst mal umkehren - und gerne später wiederkommen.

Außerdem sei vorweg noch erwähnt, dass wir hier nichts als "allgemeingültig" verkaufen wollen, sondern lediglich unsere persönlichen Erlebnisse, Meinungen und Ansichten wiedergeben.

Nun aber genug davon, jetzt geht's endlich ans Eingemachte. Wir wünschen viel Spaß mit der zweiten Episode von Uncharted Memories.

Uncharted Memories #2 - Die Geburt des Cruumshing

Ich möchte heute nicht über eine einzige spezifische Szene philosophieren und nein, so romantisch wie in der ersten Folge wird es hier leider auch nicht werden. Es geht um ein großes Ziel. Viel Konzentration. Mächtig Ärger. Und gnadenlose Ausdauer.

Nachdem ich eines Tages mal wieder das grandiose Uncharted 2: Among Thieves beendet hatte, kam mir eine harmlose Idee. "Hol dir doch bei allen drei Uncharted-Spielen die Platin-Trophäe." Gedacht, nachgeschaut. Was ich dafür auf jeden Fall noch tun muss? Die Spiele auf Schwierig und Extrem Schwierig durchspielen.
Vorhang auf für Crushing, dem höchsten Schwierigkeitsgrad der Uncharted-Spiele. Der englische Name klingt für mich nach brechenden Knochen; nach Vernichtung - was er in's Deutsche übersetzt auch bedeutet. Ob er mich gebrochen hat...?

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So sieht man Drake sonst nie. Mich während des Spielens von Uncharted auf Crushing hingegen schon.

Auf Crushing verändert sich grundlegend nicht viel im Vergleich zum normalen Schwierigkeitsgrad. Die Gegnerzahl erhöht sich nicht, die Spawnpunkte bleiben unangetastet und klüger wird die KI auch nicht. Der signifikante Unterschied: Wird Drake bloß wenige Male von Schüssen getroffen, beißt der umgehend ins virtuelle Gras. Vorbei ist die Zeit des coolen Rambo-Heldes, der lässig über die zahlreichen Deckungsmöglichkeiten springt und dabei seine Kontrahenten im Vorbeilaufen mit einem lockeren Spruch auf den Lippen wegputzt. Die lockeren Sprüche bleiben, "Rambo" erscheinen mir jetzt aber nur noch die Gegner.

So entwickelt sich ein komplett neues Spielgefühl. Ich muss stets konzentriert sein, ansonsten klappt überhaupt nichts. Ich bewege mich zügig von Deckung zu Deckung; von Mauer zu Mauer und schalte meine sich in Bewegung befindlichen Widersacher strategisch aus. Denn kommt ein Gegner erstmal zu nahe, sodass er freies Schussfeld hat, bin ich verloren. Auch greife ich erstmals auf das komplette Waffenarsenal zurück: Sah ich früher noch Granaten als belanglos an, werden sie nun zu einem enorm wichtigen Gadget - ebenso wie die seltenen Raketenwerfer, sofern man sie denn mal findet. Aufgrund des 180°-Wandels meines Spielstils würde ich beinahe behaupten, Uncharted auf Crushing kommt einem Taktik-Shooter nahe.

Gemein wird es jedoch, wenn mir das Spiel die vorsichtige Deckungstaktik verwehrt oder zumindest stark einschränkt: Immer mal wieder kommt es in den drei Uncharted-Teilen zu der Situation, dass ich in einem begrenzten Raum eingesperrt werde und eine Übermacht von Gegnern nach und nach aus allen Richtungen spawnt, die ohne Umschweife ballernd auf mich zusteuert. Das neu entdeckte Taktik-Gefühl verkommt zum nervigen Trial & Error, bei dem gar nicht erst die Möglichkeit vorgesehen zu sein scheint, die Passage im ersten Anlauf lösen zu können. An solchen Stellen bin ich gezwungen, das Gebiet ausgiebig zu inspizieren, die Spawnstellen und -zeitpunkte auswenig zu lernen und auf eine prise Glück zu hoffen.

Besonders fies habe ich diesbezüglich Uncharted: Drakes Schicksal in Erinnerung behalten. Stichwort der Kampf im überfluteten Keller und - Oh mein Gott! - das Gefecht vor dem Kloster. Beide Kämpfe unterscheiden sich zwar essentiell in ihrem äußerlichen Aufbau - bei ersterem springt man in einen kleinen geschlossenen Raum hinab, bei zweiterem findet man sich in einem weitläufigen Hof wieder - und doch treffen hierbei alle Aspekte, die ich im obigen Abschnitt genannt habe, haargenau zu. Wer die beiden Stellen schon auf normalem Schwierigkeitsgrad schwer fand, wird sich vielleicht vorstellen können, wie es dort auf Crushing zugeht. Nach endlosen Versuchen schaffe ich es manchmal beinahe, ehe ich am Ende doch das Zeitliche segne. Ich resigniere, denke ans Aufgeben. Ich komme mir vor wie der arme Esel, dem man eine Karotte per Angelschnur vor das Maul gehängt hat. Das Ziel ist so nah und doch so fern. Ärger macht sich in mir breit.

fassade_200
Ein Grauen. Hätte ich doch lieber die blaue Kapsel nehmen sollen?
Und doch konnte dieser Ärger während meiner Crushing-Reise noch übertroffen werden: Nämlich durch Versagen des Spieldesigns. Bei einem Gefecht im zweiten Serienteil zwischen Drake, Lazarevics Söldnern und den übernatürlichen Wächtern respawnte die gleiche Söldnertruppe eine gefühlte halbe Stunde lang immer und immer wieder - der Triggerpunkt versagte, egal, was ich tat. Dieser Ärger bezieht sich gar nicht mal darauf, dass mich die Passage Zeit und Nerven gekostet hat, sondern auf die Zerstörung der Einbildung einer intakten, in sich "realistischen" Welt, in die ich als Spieler eintauchen möchte. Der epische Showdown gegen Lazarevic wurde banal, als ich mit ihm Katz und Maus durch geschicktes Entlanghangeln an einer Kante spielte. Ein ursprünglich packender Zwischenbosskampf in Uncharted 3: Drake's Deception wurde lächerlich, als ich auf einen Schiffscontainer kletterte, der schwer befaffnete Feind mich nicht mehr treffen konnte und trotzdem Minute um Minute mit seinem MG gegen die Containerwand schoß.

Solche Schnitzer habe ich erst durch Crushing entdeckt. Während andere Spieler ihre atmosphärisch wunderschöne Illusion genießen durften, komme ich nicht umhin, die - zugegebenermaßen wenigen - Fehler zu vergessen. Ich wagte den Blick über die bunte Fassade und sah Chaos.

Schlußendlich hatte ich die sture Ausdauer gehabt, alle drei Uncharted-Spiele auf Crushing zu bezwingen. Der Weg dorthin war steinig, er war schwierig. Nein. Extrem Schwierig. Aber ich wurde nicht gebrochen. Der Esel bekam seine Karotte und konnte seinen Hunger stillen. Jedoch nur kurzfristig - und nach gewisser Zeit kehrte die Leere zurück. War es all die Anstrengung wirklich wert? Überwiegt die Freude der Entdeckung des neuen Spielgefühls und des Schaffens des Ziels? Oder die Enttäuschung in Bezug auf die entdeckten Macken?

Ich weiß bis heute nicht die Antwort. In jedem Fall war Crushing eine sehr interessante Erfahrung. Erinnerungen, die mir in Bezug auf Uncharted stark hängen geblieben sind.

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Melancholische Bilder dürfen bei Uncharted Memories nicht fehlen!


Oh. Es fehlt noch der Bezug zu dem abstrusen Titel dieser zweiten Ausgabe von Uncharted Memories. Nachdem ich (Gruumsh) mit Mühe und Not alle drei Uncharted-Spiele auf Crushing bezwungen hatte, flog mir von meinen apathischen internen Kollegen so viel Respekt und Bewunderung entgegen, dass ich wie ein Held als Cruumshing gefeiert wurde (Anm.: Könnte nicht ganz den Tatsachen entsprechen).

Ich hoffe, euch hat der zweite Halt unseres Uncharted Memories-Ausflugs gefallen. Ihr habt Anmerkungen oder möchtet selbst in Erinnerungen schwelgen? Dann ab in die Kommentare oder in unser Forum!

In zwei Wochen, genauer gesagt am 30. Mai, geht es weiter - diesmal mit einem 'Special' Guest Star. Ihr dürft gespannt sein.
 
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