Uncharted Memories #3 - Mehr als bloße Illusion
Geschrieben von: Kaidan   
Donnerstag, den 30. Mai 2013 um 21:17 Uhr
memories3_orangeAm heutigen Donnerstag sind auf den Tag genau vier Wochen vergangen, seitdem wir euch auf die erste Reise in die Vergangenheit der Uncharted-Spiele entführt haben. Heute haben wir für euch die dritte Episode am Start - geschrieben von einem 'Special' Guest Star, den es hier so noch nie gab. Wir wünschen viel Spaß und übergeben das Wort.

Was ist der Morgen nach dem Mittwoch und das Gestern vom Freitag? Genau, Donnerstag, ihr habt es richtig erraten. Gratulation, jetzt dürft ihr euch einen Keks holen. Aber halt, was hat der heutige Tag überhaupt zu bedeuten? Und nein, es ist kein Feiertag, auch wenn's schön wäre. Heute, meine Damen und Herren, ist Geschichtenzeit. Ok, das hört sich echt so an, als ob euch ein alter Knacker mit Geschichten aus längst vergangenen Tagen zum Einschlafen bringen wollen würde. Aber keine Sorge, so ist das zum Glück nicht. Und ich möchte heute auch nicht so sehr auf die Tränendrüse drücken oder mich als den ultimativen Zocker aka Crusher hinstellen (ich garantiere für nichts. Vielleicht vermische ich sogar beides. ^^). Lieber würde ich gerne über das ganze Spiel (Uncharted 3) sprechen/schreiben und nicht nur über eine ganz bestimmte Stelle oder über ein paar vereinzelte Szenen. Nicht, weil ich gerade Langeweile habe und gerne so viel schreiben möchte. Es liegt eher daran, dass ich mich nur schwer für eine Szene entscheiden könnte.

Doch bevor ich überhaupt anfange, möchte ich mich noch kurz vorstellen. Ich heiße Kaidan und einige kennen mich sicherlich noch, da ich eine längere Zeit bei GGP sowohl public als auch intern sehr aktiv war. Und was diejenigen angeht, die mich vielleicht noch nicht kennen sollten: Nicht schlimm, das ändert trotzdem nichts an der Intention oder an dem Inhalt meines Textes.

Hier noch ein kleiner Hinweis, den ich jetzt einfach mal von SpeechBubble zitiere, weil ich den Text ganz gut so finde und auch keinerlei Änderungswünsche verspüre:

"Die Uncharted Memories beruhen auf Ereignissen der Uncharted-Spiele. Daher gebe ich an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung raus. Wer die Reihe noch nicht gespielt hat, das aber noch nachhole möchte, sollte für den Moment erst mal umkehren - und gerne später wiederkommen.

Außerdem sei vorweg noch erwähnt, dass wir hier nichts als "allgemeingültig" verkaufen wollen, sondern lediglich unsere persönlichen Erlebnisse, Meinungen und Ansichten wiedergeben."

Uncharted Memories #3 – Mehr als bloße Illusion

Was macht ein gutes Spiel eurer Meinung nach aus? Ist es die Grafik, die Steuerung, sind es die Features oder ist es die Story? Oder ist es einfach nur die Tatsache, dass man es in einem Satz beschreiben kann oder auch eben nicht? Was, wenn man ein Spiel nur mit einem Satz beschreiben könnte? Wäre es dann ein weiteres Glied des einfallslosen Einheitsbreis? Wer weiß, doch behaltet doch bitte diese Fragen im Hinterkopf. Vielleicht können wir sie am Ende beantworten.

Wenn man mich vor die Wahl stellen würde, Uncharted 3 in einem Satz oder in einem ganzen Text zu beschreiben, würde ich mich wohl (leider) für den Text entscheiden. Wieso? Weil ich es zum einen etwas unfair und zum anderen auch schwer finde, ein Spiel auf nur einen Satz zu reduzieren, das mich aber mehrere Stunden erstaunt, begeistert und auch unterhalten hat. Wie kann ich schon all diese Erlebnisse in nur einem Satz zusammenfassen? Natürlich könnte man sagen: "Uncharted 3 ist awesome/grandios/epic/toll usw." Aber mal ernsthaft, wie doof hört sich das denn an? So etwas könnte ein 5-Jähriger sagen und selbst das wäre ihm zu platt. Ja, Uncharted 3 mag das alles schon sein, aber keines dieser Aussagen wäre diesem Spiel gerecht. Denn es ist einfach noch mehr. Und auch wenn sich das alles mittlerweile nach Fanboy-Geschwafel anhört, so soll das natürlich nicht in Lobeshymnen enden. Denn Uncharted 3 macht weiß Gott nicht alles so perfekt, wie es das sollte, aber dazu komme ich später.

Aller Anfang ist schwer...

Beginnen wir erst mal damit, wie Uncharted 3 seine Geschichte einleitet. Es beginnt mit einem ganz einfachen Zitat, was aber so viel bewirkt, zumindest hat es das bei mir.

"Alle Menschen träumen, aber nicht gleich. Die, die während der Nacht in der staubigen Tiefe ihres Verstandes träumen, wachen am Tage auf, um zu entdecken, dass alles nur Wahn war. Aber die Tagträumer sind gefährliche Menschen, denn sie können ihren Tagtraum mit offenen Augen darstellen, um ihn wahr zu machen. Das tat ich."  -  T.E. Lawrence ("Lawrence von Arabien")



Nicht nur, dass dieses Zitat etwas Tiefgründiges hatte wie einiges in der Uncharted-Welt. Es passte auch perfekt in den 3. Teil, was man aber erst am Ende der ganzen Reise wirklich erkennt. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass mich das von Anfang an fesselte und mich sofort in die gewohnte düstere und mystische, aber auch spannende Welt von Uncharted sog. Danach ging es gleich mit Drake und Sully weiter, wie sie in einen Pub gingen und ein dubioses Geschäft mit noch zwielichtigeren Leuten tätigen wollten. Wieso zum Henker Nathan Drake seinen kostbarsten Besitz (den Ring von Sir Francis Drake) verkaufen wollte, hatte mich in diesem Moment sehr überrascht und auch gewundert. Doch alte Uncharted-Fans konnten sicherlich erahnen, was danach geschehen würde. Bei Drake kann ja nie alles perfekt laufen, geschweige denn so wie geplant. Und wer hätte es gedacht? Etwas lief schief und plötzlich ging eine Kneipenschlägerei im Stile von alten Bud Spencer- und Terence Hill-Filmen los.

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Vier Fäuste für ein Halleluja - in den Hauptrollen Nathan Drake und Victor Sullivan.

Nicht alles ist vergleichbar...

Ja, natürlich ist dieser Anfang nicht so atemberaubend wie der im 2. Teil, wo Drake plötzlich in einem Waggon aufwacht, der kurz davorsteht, einen Abhang hinunterzufallen. Aber mal ehrlich, ich hätte es mehr als stumpf gefunden, wenn sie versucht hätten, diesen Anfang zu überbieten. Mit was wären sie dann gekommen? Drake wacht in einem abstürzenden Flugzeug auf und muss sich dabei noch durch Massen von Gegnern kämpfen, um an den rettenden Fallschirm zu kommen? Witzig ist nur, dass es solch eine Stelle sogar in Uncharted 3 gibt, nur halt nicht am Anfang. Trotzdem hätte ich es unnötig gefunden, wenn sie es versucht hätten, den 2. Teil in dieser Hinsicht zu überbieten. Denn gerade das finde ich so toll an der bisherigen Trilogie. Jeder Teil hat seine Daseinsberechtigung, nicht nur aus dem Grund, dass es eine Fortsetzung ohne den Vorgänger nicht geben könnte. Sondern auch aus dem Grund, dass jeder Teil etwas hat, woran man sich gerne erinnert. Und wenn ein Spiel das schafft, dann ist es meiner Meinung schon etwas Besonderes. Deshalb sollte man den Vorgängern nicht ihre Besonderheiten nehmen. Denn ansonsten werden diese durch die Fortsetzungen gemindert und das wäre für eine Trilogie eher suboptimal. Schließlich will man ja die alten Teile auch noch verkaufen.

Erinnerungen an alte Zeiten...

Beim ersten Teil denke ich z.B. sehr gerne an die Szene mit dem gestrandeten U-Boot zurück, das unter einem kleinen Wasserfall auf Grund lag und das man sogar erkunden durfte. Schon allein der Anblick davon war imposant. Beim 2. Teil fällt mir spontan die Stelle ein, an der man auf einen fahrenden Zug springen und dabei so manchen Gefahren ausweichen muss. Allgemein liebe ich diese Zugszene. Alles, was mit solchen Abschnitten zu tun hat, finde ich toll, also in jedem Spiel meine ich. Jedes Videospiel, das einen Zugabschnitt hat, ist schon mal um 20 % besser für mich (ist natürlich nur Spaß). Ich kann das um ehrlich zu sein auch nicht groß erklären, wieso das so ist. Denn ein großer Zug-Fan bin ich bestimmt nicht. Im Gegenteil, mich langweilt das sogar im richtigen Leben. Aber sobald es in einem Game vorkommt, finde ich es toll - sehr widersprüchlich und merkwürdig, ich weiß. Aber wenn ich z.B. an Red Dead Redemption zurückdenke, wo ich zum ersten Mal außerhalb einer Cutscene eine richtig altmodische, aber sehr schöne Lokomotive vor einem Sonnenuntergang fahren gesehen habe, hatte ich echt Gänsehaut. Und dieses Gefühl hat sich in anderen Spielen nicht großartig verändert. Aber allgemein fand ich den Abschnitt ab der Zugszene von Uncharted 2 großartig, also auch alles, was danach kam. Beim 3. Teil könnte ich auch noch einiges aufzählen und Details nennen und Zitate aufzählen. Aber würde ich das jetzt zu jedem Teil machen wollen, würde es ganz sicherlich den Rahmen meines Beitrages sprengen und das muss auch nicht sein.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass der Anfang vom 3. Teil dennoch seine Daseinsberechtigung hat, obwohl er eben nicht so imposant inszeniert wurde, wie der aus dem 2. Teil. Ich meine, dass sie (Naughty Dog) es auch anders können und den Spieler nur so mit Action bombardieren können, haben sie im späteren Verlauf des Spiels mehr als nur einmal bewiesen. Für mich jedoch war der Anfang aus Uncharted 3 wie ein Klassentreffen, wo man noch mal all die bekannten Gesichter aus der Vergangenheit wiedersehen durfte/konnte. Der Prolog musste keine epischen Szenen haben, um mich sofort wieder in diese tolle und spannende Welt zu ziehen. Es brauchte einfach nur ein paar Charaktere, die ich mit der Zeit lieb gewonnen hatte. Und es war echt schön, Sully und Drake in einem neuen Abenteuer wiederzusehen.

Persönlicher als jeder andere Teil...

Ich sage immer wieder gerne, dass der 3. Teil für mich der Persönlichste von allen war. Wieso? Es fängt schon damit an, dass man zum ersten Mal direkten Bezug auf Drakes Vergangenheit nimmt und diese sogar in einer Kindheitserinnerung visualisiert. Und ganz ehrlich, als ich diese Szenen zum ersten Mal sah und dann sogar selber spielen durfte, hatte ich schon ein wenig Gänsehaut. Dabei sind mir aber auch ganz besonders die Details an Drakes Gesten aufgefallen, die er sowohl in seiner Kindheit, als auch in seinem Erwachsenendasein immer noch macht. Da wäre z.B. seine leichte Flapsigkeit, durch die er schon in so manch unangenehme, aber auch teils sehr lustige Situation geraten ist. Oder sein schelmisches Grinsen, das er immer aufsetzt, wenn er jemandem imponieren will oder allgemein zeigen will, dass er im Recht ist. Wie schon mein werter Kollege SpeechBubble anmerkte, ist der 3. Teil wahrlich der Persönlichste von allen. Nicht nur aus dem Grund, weil er direkten Bezug auf Drakes Kindheit nimmt, auch wenn es nur sehr kurz ist. Es ist der persönlichste Teil, weil er sich viel intensiver damit beschäftigt, was Drake eigentlich wirklich will. Es geht nicht nur um das Suchen und Finden eines sagenumwobenen Schatzes – das ist mehr die Rahmenhandlung. Es geht vielmehr darum, was Drake vom Leben will. Reicht ihm das? Reizt ihn noch der Nervenkitzel bei solchen Abenteuern oder will er eigentlich was anderes? Etwas, das ihn mehr ausfüllt im Leben und ihm einen wahren Sinn gibt? Dieser innere Konflikt und diese Orientierungslosigkeit wird meiner Meinung nach am besten durch die Wüstenszene dargestellt. Sie ist für mich DIE Metapher für Drakes Selbstfindung.

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Drakes Odyssee durch die Wüste. Welch eine Metapher für Drakes Selbstfindung!

Baldige Auszeit?

Was hat Drake schon von all diesen Abenteuern - Reichtum, Ehre und Ruhm? Nun, der Reichtum fällt meistens weg, ansonsten könnte er sich gleich zur Ruhe setzen und seine goldene Rente genießen. Ehre würde es sicherlich geben und was ist mit Ruhm? Mir persönlich ist bisher in noch keinem Teil aufgefallen, dass Nathan Drake in seiner Wirklichkeit jemals berühmt gewesen war. Und wie denn auch? Alles was er immer fand, wurde am Ende von ihm oder von "höheren Mächten" zerstört. So gesehen ist er am Ende nie wirklich reicher geworden, höchstens um eine Erkenntnis. Aber wir wissen wohl alle, wie dickköpfig Drake in dieser Hinsicht sein kann und dass er sich so schnell nicht belehren lässt. Dennoch begriff er endlich im Verlaufe von Uncharted 3, dass Reichtum, Ehre und Ruhm niemals so viel wert sein können, wie die Liebe zur Familie, zu Freunden und zu einer Frau, ohne die er sich ein Leben wohl gar nicht vorstellen könnte. Doch zu dieser Erkenntnis wäre er sicherlich niemals gekommen, wenn er nicht ständig an seinen Aufgaben und Hindernissen gewachsen wäre, obwohl sie ihn beinahe zerstört hätten. Von Illusionen und falschen Zielen geblendet, hatte Drake nicht nur sein Leben riskiert, sondern auch die seiner Freunde/Familie. Also wie hätte er das noch weiter mit seinem Gewissen vereinbaren können, dass sie immer in Gefahr wären, wenn er so geblieben wäre, wie er es vorher war - besessen von der Schatzsuche? Gar nicht, deshalb stellte er im Verlauf von Uncharted 3 die Prioritäten um und setzte die Freunde/Familie an oberster Stelle. Doch wie glaubwürdig wäre es dann noch, weitere Abenteuer mit Drake zu erfinden, wo er wieder mal auf der Suche nach mystischen und geheimnisvollen Orten/Schätzen wäre? Ich meine, dass es ein Uncharted 4 geben wird, ist wohl sehr wahrscheinlich und dazu muss ich auch kein Hellseher sein. Aber glaubt ihr, man könnte das ewig so weiterführen? Wollt ihr das überhaupt? Oder sollte irgendwann mal doch Schluss mit Uncharted sein? Ich für meinen Teil wünsche mir schon irgendwann ein geruhsames Ende für den guten Drake. Denn ich möchte nicht mit ansehen müssen, wie dieses Franchise zu Tode gemolken wird wie die Tomb Raider-Serie, bis man dann wieder eine jüngere und schönere Kuh gefunden hat. So ein Ende verdient Uncharted auf keinen Fall - eigentlich überhaupt kein Spiel.

Die negativen Aspekte...

Wie ich euch schon versichert habe, soll es nicht nur Lobeshymnen geben. Dabei sei aber noch gesagt: Das, was jetzt kommt, ist "Meckern auf hohem Niveau". Man mag Uncharted vieles zusprechen, aber ein guter Shooter war es meiner Meinung nach nie. Dazu war die Steuerung beim Zielen immer zu schwammig, die Gegnermassen zu berechenbar und stumpf und die allgemeine Auslegung darauf viel zu offensichtlich. Sobald man in einen Bereich kam, den man eigentlich erkunden wollte/sollte, musste man erst irgendwelche Horden von Gegnern besiegen, was eher einem Arena-Modus glich als alles anderem. Man konnte es gewissermaßen schon riechen, wann einem die nächste übertrieben große Gegnerwelle entgegen kam. Und das Allerschlimmste an dem war immer, dass man sie auch nie anders umgehen konnte. Man konnte beispielsweise nicht an ihnen vorbei schleichen oder sie lautlos ausschalten. Denn all die Szenen, wo sowas mal impliziert wurde, waren im Grunde genommen Fakes - eine bloße Illusion. Da würde ich nämlich sehr gerne auf die Flugplatzszene hindeuten, wo man in der Nacht mit Elena einbrechen muss. Man bekam vom Spiel sogar eine Pistole mit Schalldämpfer und ab einem bestimmten Abschnitt bekommt man sogar von den Hauptcharakteren zu sagen, man solle den besagten Abschnitt leise schaffen, da man ja nicht entdeckt werden will. Und doch stehen ganz am Ende dieses Levelabschnitts zwei Gegner nebeneinander, die man unmöglich leise ausschalten kann. Selbst wenn man versucht, diese zwei mit der Pistole (mit Schalldämpfer) schnell hintereinander auszuschalten, geht der Alarm los. Selbst wenn man versucht, sogar beide auf einmal auszuschalten (mit der Hammer oder einer Granate), geht der Alarm los. Und dann darf man gegen noch stärkere und besser bewaffnete Gegner spielen - was für ein Spaß. Das wäre ja im Grunde nicht schlimm, würde man nicht vom Spiel gesagt bekommen, man solle ja extra leise in diesem Abschnitt vorgehen, um am Ende doch zu versagen, egal was man tut. Denn für mich als Stealth-Fan und allgemein als Gamer ist das einfach nur eine Beleidigung und eine ziemlich große Verarsche. Was macht es schon für einen Sinn, wenn man zwar die Fähigkeiten und eigentlich auch die Möglichkeiten hat, einen Levelabschnitt lautlos und unauffällig zu schaffen und man dennoch enttarnt wird, weil einem das Spiel plötzlich wieder die Freiheit nimmt und einem etwas vorsetzt, was eh von Anfang an geplant war?

uncharted3_airstrip
Die Stealth-Passage nur eine Illusion - der Spieltitel "Drake's Deception" (dt. Drakes Täuschung) lässt grüßen.

Ich find's einfach traurig, dass Uncharted 3 so viel andeutet und dennoch nichts wirklich durchzieht oder es einfach nicht gut hinbekommt. Denn ein Stealth-Spiel ist es bestimmt nicht, auch wenn sie es in Uncharted 2 an einer bestimmten Stelle ganz gut gemacht haben. In Teil 3 haben sie jedoch in dieser Hinsicht versagt. Und ein guter Shooter ist es, wie gesagt, nach wie vor nicht. Insbesondere nicht, weil sie ja anscheinend so großen Wert auf dieses Element setzen und sie es dennoch so schlecht umgesetzt haben. Ich versteh ehrlich gesagt auch nicht, wieso. Denn die Steuerung im Multiplayer ist grandios. Lustigerweise auch da, wo es sehr wichtig ist. Doch wieso hat man das nicht auch im Singleplayer hinbekommen? Hat man es da nicht für so wichtig empfunden? Oder gab es zwei verschiedene Entwicklerteams, in der sich ein separates Team extra um den Multiplayer gekümmert haben? Selbst wenn das so gewesen sein sollte, finde ich es schade, dass man die Steuerung des Multiplayers nicht auch auf die des Singleplayers übernehmen konnte, denn wie gesagt, ist die Steuerung des Multiplayer-Modus um Welten besser als die der Solokampagne. Und das war sie leider auch schon in Uncharted 2. Natürlich muss man mir in dieser Hinsicht nicht zustimmen, aber ich darf wohl meinen, dass ich das ganz gut einschätzen kann. Denn ich habe den Multiplayer von Uncharted 3 mehr als ein Jahr gesuchtet und die Kampagne von Uncharted 3 auch schon dreimal durchgespielt, sowohl auf normal, schwer, als auch auf extrem schwer. Deshalb glaube ich schon, dass ich die grundlegenden Mechaniken der Steuerung aus beider Welten gut einschätzen kann.

Nichtsdestotrotz kann man einen Vergleich mit anderen Spielen leider nicht verhindern. Natürlich vergleicht man dabei nicht das ganze Spiel, sondern nur gewisse Elemente. Und leider ist der Shooter-Part in Uncharted  ein grundlegendes Element, da es allgegenwärtig ist und so häufig vorkommt, dass man es sich nicht mehr wegdenken könnte. Deshalb ist der Vergleich mit einem Gears of War, was ja auch ein Deckungssystem besitzt und man den Shooter-Part als grundlegendes Element bezeichnen kann, gar nicht so weit hergeholt. Und in diesem Vergleich stinkt Uncharted 3 sehr ab, leider. Denn alles, was ein Gears of War richtig und fast schon perfekt macht, macht Uncharted 3 mittelmäßig bis schlecht. Das Deckungssystem in Uncharted 3 ist okay, es ist zwar nicht so geschmeidig und flüssig wie in einem Gears of War, aber es funktioniert. Doch das Schießen in Uncharted 3 ist nicht mal ansatzweise so präzise und angenehm wie in einem Gears of War. Hierbei vergleiche ich nur die Steuerung aus beiden Singleplayer-Kampagnen.

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Erst nach massenhaftem Protest der Spielerschaft wurde die Singleplayer-Steuerung der des Multiplayers per Patch angepasst.

Natürlich ist das alles nur "Meckern auf hohem Niveau". Spaß macht mir Uncharted 3 dennoch, ansonsten hätte ich es nicht so oft durchgespielt, denn das mache ich nur sehr selten bei Spielen. Aber ich finde es nach wie vor suboptimal, wenn man in einem Spiel ständig auf ein bestimmtes Element hinweist, was letzten Endes so einigermaßen klappt, aber eben nicht gut bzw. so wie es das sollte. Und wenn man schon in einem Game dem Spieler Massen an Gegnern vor die Füße wirft, dann sollte die Steuerung meiner Meinung nach gut sein, ansonsten ist es immer eine Qual bzw. ein Ärgernis. Deshalb sollte Naughty Dog entweder weniger Szenen mit so vielen übertriebenen und teils auch unglaubwürdigen Ballerorgien einbauen (denn Drake tötet am Ende eines jeden Uncharted Teils ca. 200 Menschen, was ihn so gesehen zu einem regelrechten Massenmörder macht. ^^). Oder sie sollten die Steuerung in dieser Hinsicht endlich mal richtig verbessern und nicht nur ein wenig. Denn ansonsten ist es meiner Meinung nach immer ein Rückschritt, was dieses Element angeht. Und mal ehrlich, wer spielt Uncharted schon nur wegen der Ballerszenen? Ich jedenfalls nicht. Im Gegenteil, ich versuche immer so schnell wie möglich diese Szenen hinter mich zu bringen, um endlich mehr über die Story zu erfahren und atemberaubende Ruinen zu erkunden. Natürlich ist sowas nur eine subjektive Betrachtungsweise und jeder setzt seine Prioritäten anders. Aber mir persönlich ist die Story und die Glaubwürdigkeit der Charaktere am wichtigsten. Denn die Geschichten aus den Spielen müssen mich fesseln und unterhalten können, während die Charaktere ein Empathiegefül in mir auslösen sollen, sodass ich mit ihnen fühlen kann, mich in sie hinein versetzen oder sie einfach verstehen oder sogar hassen kann - wie zum Beispiel die Antagonisten.

In einem Satz...

Also wie beschreibe ich am besten Uncharted 3 in nur einem Satz? Uncharted 3 ist mehr als die bloße Illusion. Es ist mehr als nur ein Spiel, wo es um einen draufgängerischen Schatzsucher geht. Es ist das und noch vieles mehr. Wie ich schon im Verlaufe meines viel zu langen Textes angemerkt habe, geht es in Uncharted auch um die Selbstfindung des Hauptcharakters (Nathan Drake) und auch um die Werte im Leben, die jedem wichtig sein sollten. Wer stellt sich an einem bestimmten Punkt seines Lebens nicht mal die Fragen: "Ist das überhaupt das, was ich wollte? Will ich das immer noch? Was ist mir wichtig im Leben?"

Wer bisher noch nie einen Uncharted-Teil gespielt hat oder es schon vor längerer Zeit tat, sollte es am besten JETZT (noch mal) nachholen. Ich werde es auf jeden Fall tun, da ich wieder Lust dazu bekommen habe. Also dann, haut rein Jungs und Mädels und freut euch schon mal auf den nächsten Beitrag von Uncharted Memories, wenn es wieder heißt: "Geschichtenzeit am Donnerstag".
 

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